Die Frage nach Schönheit ist schon immer ein
primäres Thema für Künstler und Kunsttheoretiker gewesen.
Für mich ist Schönheit in der Musik nicht eine Sache von Dissonanz oder Konsonanz,
von schmeichelnden Melodien oder wild hämmernden Rhythmen.
Das Wunderbare an der Kunst - und vielleicht gilt dies für die Musik mehr als für jede
andere Kunstform, da sie mit abstrakteren Mittel arbeitet-, das Wunderbare an der Kunst
ist die Möglichkeit, eine eigene Welt zu erschaffen, mit einer eigenen Logik, einem
eigenen Verhältnis zu Zeit und Raum.
Schönheit nun entsteht für mich, wenn diese eigene Welt in sich maximal stimmig ist,
formvollendet könnte man sagen, doch hier geht es um mehr als nur vollendete Form: Wenn
auch das Ungreifbare, das, was jenseits der kontrollierbaren Struktur liegt, innerhalb
dieser Welt seinen Weg findet, dann lebt ein Werk, dann ist es für mich schön.
Kunst kann uns die Unendlichkeit des Seins ahnen lassen, uns die Einmaligkeit und das
Einssein aller Wesen, aller Erscheinungen vermitteln, - der scheinbare Dualismus zwischen
innen und außen löst sich auf. Sie kann uns Lebendigkeit erlebbar und erfahrbar machen,
uns auf unsere Sinnlichkeit, Spiritualität und Emotionalität, auf unser ureigenstes Sein
zurückführen.
Diese Möglichkeit ist jedoch nicht vordringlicher Antrieb für mich, Musik zu machen:
Für mich sind Musizieren, Singen und Tanzen ebenso selbstverständlich wie Essen und
Spazierengehen - es macht mir einfach Spaß.
Das Ideal: (beim Hören) nicht etwas zu suchen, analysieren oder verstehen zu wollen,
sondern einfach nur (mit der Musik) zu sein, sich durchdringen zu lassen, sich dem Fluß
des Seins anzuvertrauen, in jedem Augenblick.
C. René Hirschfeld
|